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"Hesse ist, wer Hesse sein will" Georg August Zinn

Mathildenhöhe Darmstadt ist Welterbe! Herzlichen Glückwunsch!! Und jetzt auch die SchUM-Städte!! Kommentar dazu weiter unten...






Es ist eine großartige Nachricht: Das "Jerusalem am Rhein" ist Weltkulturerbe! Kreuzzüge schon ab Ende des 11. Jahrhunderts, mittelalterliche Pogrome und selbst der Nationalsozialismus: Diese antisemitischen Exzesse verschiedener Epochen haben es nicht geschafft, die Spuren der vermutlich bis in die Antike zurückreichende jüdischen Hochkultur am Oberrhein zu vernichten. Jetzt sind sie auch über die Region hinaus ins kollektive Gedächtnis der Welt zurückgeholt worden. Es ist überhaupt das erste Mal, dass jüdisches Kulturgut in Deutschland von der UNESCO ausgezeichnet wurde. Das ist wunderbar!

„SchUM“. Die fünf Buchstaben stehen für die mittelalterlichen hebräischen Städtenamen Schpira, (U-) Warmasia und Magenza – Speyer, Worms und Mainz. Der Verbund der jüdischen Gemeinden dort wurde im Jahr 1220 gegründet. Synagogen, jüdische Lehrhäuser, Mikwen und auch dem ältesten und noch erhaltenen jüdischen Friedhof Europas in Worms strahlten kulturell so stark aus, dass die SchUM-Städte bereits im Mittelalter im aschkenasischen, also dem mittel-, nord- und osteuropäische Judentum den Beinamen erhielten: Jerusalem am Rhein! Architektonische Relikte dieser einstigen Blütezeit sind noch in allen drei Orten zu entdecken. Die UNESCO hat den Welterbestatus der SchUM-Städte heute ohne jeden Zweifel anerkannt!

Noch mal ein besonderer Grund zur Freude ist das nach der Naturkatastrophe im Norden und Osten des Bundeslandes für Rheinland-Pfalz. Das Land hatte die Welterbebewerbung tatkräftig unterstützt. Die SchUM-Städte liegen alle in diesem Bundesland, das gute Nachrichten gerade jetzt so bitter nötig hat. Für Rheinland-Pfalz bedeutet das UNESCO- Label eine weitere kulturelle Aufwertung. Schon jetzt ziehen vor allem die mittelalterlichen Dome in Speyer, Worms und Mainz oder auch die römischen Gebäude in Trier zwar viele Kulturtouristen an – doch nun werden auch noch die oft weniger bekannten Monumente der jüdischen Kulturgeschichte dieser Region so stark ins Licht gerückt, wie sie es schon lange verdient haben.

Wer jetzt etwa den Dom in Worms besucht oder im Sommer auf dem Außengelände gleich daneben die Nibelungenfestspiele genießt, wird auch den kurzen Gang zum „Heiligen Sand“ wohl nicht mehr verpassen. Dort kann man eintauchen in eine grüne, leicht hügelige Wiesen-Landschaft, in der unzählige verwitterte und oft schief stehende Steine aus dem Gras ragen. Das mutet an wie eine bretonisch oder irische Menhir-Anlage: Doch es sind keine keltischen Überbleibsel, die dieses Bild erzeugen, sondern 2500 jüdische Grabsteine, teilweise mehr als tausend Jahre alt sind. Der „Heilige Sand“, so heißt der Friedhof seit Jahrhunderten ist ein Ort mit einer ganz besonderen, kontemplativen Aura. Wer nach Worms kommt, sollte sich Zeit für ihn nehmen! Das galt schon vor dem heute vergebenen UNESCO-Label. Aber nun gibt es keinen Grund mehr, dieses und andere großartige Zeugnisse des mittelalterlichen „Jerusalem am Rhein“ noch zu übersehen. Herzlichen Glückwunsch –vor allem an Rheinland-Pfalz. Das UNESCO-Label für die SchUM-Städte ist jedoch auch für ganz Deutschland nach Auschwitz eine Auszeichnung, die mit großer Demut und Dankbarkeit angenommen werden sollte. Schließlich: Der heute vergebene Welterbestatus ist auch ein klares Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus!